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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Friedensfreunde,

 

  1. Einleitung

Kriege plagen die Menschheit seit Jahrtausenden. Sie sind Folge aller Ausbeutergesellschaften, weil die ausbeutende Oberschicht ihre Herrschaft nur durch wirtschaftliches Wachstum erhalten kann.

Diese Ausbeuterverhältnisse werden sich in absehbarer Zeit nicht grundlegend ändern. Doch wir arbeiten daran.

Weil aber Krieg in all seinen Formen zur existenziellen Gefahr für die Menschheit werden kann, sind größtmögliche Anstrengungen von uns allen nötig, den Frieden zu sichern. Darum werde ich etwas über Kriegsmechanismen sagen und abschließend Aktivitäten nennen, die dem Frieden dienen.

 

  1. Erlogene Kriegsgründe

Kriege sind unpopulär, darum beginnen sie mit Lügen. Da geht es angeblich um Verteidigung der Heimat, um Befriedung ([1]), um Menschenrechte, um Demokratie und andere hehre Ziele. Tatsächlich geht es um Rohstoffe, Absatzmärkte, Transportwege, Eroberung von Ausgangsbasen für neue Kriege und immer um Absatz für die Rüstungsindustrie und ihre Zulieferer. Ein erwünschter Nebeneffekt von Kriegen ist die Ablenkung von inneren Problemen.

Aber Krieg ist durch die immer komplizierteren, teureren Waffen und Schutzmechanismen meist teurer, als dadurch – auch bei einem Sieg – zu erbeuten ist. Nur wenn es einer Oberschicht gelingt, die Gewinne allein einzusacken, aber die Kriegskosten auf andere abzuwälzen, kann sich der Krieg für manche „lohnen“.

Denn nur Teile der herrschenden Klassen können einen Krieg wollen oder hinnehmen. Andere Teile der Oberschicht – z.B. die weltweit operierenden Händler – können dabei erheblich verlieren und sind daher eher am Frieden interessiert.

 

  1. Kriegsformen

Heute dominiert eine Vielzahl von Kleinkriegen, weil: gesellschaftlicher und staatlicher Zerfall und die durch Armut und Demütigung verzweifelten Menschen nicht vorhersehbare Kriegsparteien mit schwer abschätzbaren Kräften und partikularen Eigeninteressen fördern ([2]), die versucht sind, zum Terrorismus zu greifen. Die vielen sensiblen Punkte technisierter Gesellschaften ([3]) erleichtern das.

 

  1. Kriegsvorbereitungen erkennen
  • Verstärkte Rüstung und Personalverstärkung bei bewaffneten Kräften sind u.a. im Staatshaushalt relativ leicht feststellbar.
  • Verschweigen von Fakten und von Gegenstimmen (Beispiel)
  • Nachrichten – ein aktuelles Beispiel: Die Lausitzer Rundschau berichtete am 05.08.2016 auf Seite 7 über ein damals geheimes Papier der Bundesregierung für verstärkte Anstrengungen beim Zivilschutz bis hin zu Maßnahmen gegen Massenvernichtungswaffen! Dieses Papier aus dem Bundesministerium des Innern steht indessen im Internet – der Link ist bei mir erhältlich. Hier wird auch der – Zitat:

„Einsatz chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer Wirkstoffe“ – Zitat-Ende – erwogen.

Damit wird Kriegshysterie geschürt, der Teufel an die Wand gemalt und Russland beunruhigt. Darauf habe ich die Lausitzer Rundschau mit Leserbrief vom 06.08.2016 hingewiesen. Dieser Brief und weitere kritische Äußerungen wurden am 17. – 18.08. auch gedruckt. Indessen hat das Thema durch überregionale Medien die öffentliche Diskussion erreicht. Nun reden die Politiker allerdings auch nicht mehr von derartigen Waffen, sondern vom normalen, stets erforderlichen Katastrophenschutz, der unstrittig stattfinden muss. Das Papier jedenfalls behandelt beides, normalen Katastrophenschutz ebenso wie kriegsbedingte Schwierigkeiten. Es enthält das Wort „Katastrophe 34 mal und das Wort Verteidigungszustand 25 mal. Wir sollten ein kritisches Auge darauf haben! Den Link stelle ich Interessierten zur Verfügung.

  • Börsenkursbewegungen u.a. Signale des Finanzmarktes geben (leider nur!) dem Kundigen Aufschlüsse über Kriegsgefahren.

Auffällig und kennzeichnend sind außerdem:

  • strikt einseitige Schuldzuweisungen bei Konflikten. Dabei ist die Häufung aller Beschuldigungen auf eine einzige Person eindeutig demagogisch, weil sie gesellschaftliche Gesamtverhältnisse und deren Meinungsvielfalt bewusst ausblendet.
  • Bei schwierigen internationalen Verhandlungen ist es unbedingt erforderlich die Beweggründe der Gegenseite zu kennen und zu verstehen – das heißt nicht bejahen. Wenn jene, die Kompromisse suchen, aber verhöhnt und beleidigt werden, – B. gegenwärtig „Putinversteher“ – zeigt das den Unwillen zur Einigung.

 

  1. Widerstand gegen jeden Krieg

Widerstand ist möglich und wirksam, wenn er die Antikriegshaltung vieler Bevölke­rungs­schichten in breiten Bündnissen massenhaft und vielfältig in Wort und Tat umsetzt. Die Hoffnungslosigkeit „Ich kann ja doch nichts machen“ ist das Haupthindernis, das dabei überwunden werden muss. Jeder kann etwas tun!

Hier einige Überlegungen – zur Auswahl – was getan werden muss!

  • Gegen die Ursachen handeln: Die Ausplünderung der Entwicklungsländer beenden, ausreichende und sinnvolle Entwicklungshilfe leisten und sie auch nicht mit unseren subventionierten Waren totkonkurrieren. Auch durch unser Kaufverhalten können wir dazu beitragen.
  • Armut ist weltweit zu bekämpfen, damit Menschen nicht verzweifeln, weil sie oder ihre Kinder vor ihren Augen verhungern.
  • Gegen die Ursachen handeln: wir fordern strikte öffentliche Kontrolle des Finanzgebarens, der Steuerehrlichkeit, der Außenhandelsbilanz und weiterer wirtschaftlicher Verhaltensweisen, die einen Zusammenhang mit Kriegsereignissen vermuten oder erkennen lassen ([4]).
  • Gegen die Ursachen handeln: Energische Maßnahmen gegen den Klimawandel, der schon jetzt eine bedeutende Fluchtursache ist und zu noch größeren Migrantenzahlen führen kann.
  • Rohstoffe sparen, langlebige Erzeugnisse statt Wegwerfprodukte, fossile Energieträger durch erneuerbare Energie ersetzen ([5]).
  • Ausnutzen der unterschiedlichen Interessenlagen der ökonomisch Herrschenden.

Diese Maßnahmen gehen an die Wurzeln, sie erfordern Druck auf Politiker, wirken jedoch nicht rasch!

 

Rascher sind wirksam:

  • Kriegsvorbereitungen erkennen und stets die Öffentlichkeit informieren ([6]).
  • Verbot aller Waffenexporte, wirksame staatliche Aufsicht über Rüstungsindustrie ([7]).
  • Militärtransporte verhindern, z.B. durch Massenblockaden der Verkehrswege, wie bei Atommüll bereits erprobt.
  • Kein Handel mit und keinerlei wirtschaftliche, geldliche oder andere materielle und immaterielle Unterstützung für irgendeine Gruppe, die Kampfhandlungen führt ([8]). Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr! Paramilitärische private „Sicherheitsfirmen“ auflösen.
  • Schärfste Kritik an Kriegsverbrechen, weil sie inhuman, und kriegsverlängernd sind, denn sie vertiefen die Feindschaft und zerstören das für friedliche Lösungen nötige Minimalvertrauen ([9]). Eigene Medienbeiträge, klare Haltung bei Interviews durch die Medien, online-Petitionen.
  • Gegen Medienbeiträge, die zum Krieg treiben können, mit Leserbriefen – wie oben beschrieben – und öffentlich protestieren.
  • Widerstand gegen Nationalismus, Chauvinismus, Rassismus, religiösen Hass und alle anderen Tendenzen, Menschen abzuwerten.
  • Widerspruch gegen alle Versuche, Migranten und andere Fremde auszugrenzen, sondern sie integrieren, obwohl das schwierig sein kann.
  • Keine Werbung für Militär unter Minderjährigen (Schüler*innen) und unter sozial Abhängigen (Arbeitslosen).
  • Keine Forschung für Kriegszwecke im zivilen Sektor.
  • Ablehnung von Militäreinsätzen im Inland mit Ausnahme unbewaffneter Hilfe bei Naturkatastrophen usw.
  • Mit Bekannten und Verwandten über Kriegsvermeidung reden.
  • Briefe an Bundespolitiker, Bundestagsabgeordnete, Medien.
  • Machen Sie mit bei Friedensdemos und Aktionen.
  • Für die Verurteilung von Kriegsvorbereitungen eng mit Kulturschaffenden zusammenwirken.

 

Als Beispiel für die Kraft der Kultur trage ich Ihnen abschließend wenige Zeilen aus Pablo Nerudas sehr langem Friedenslied vor:

 

Ich will nicht, dass wieder Blut

Das Brot aufweiche, die Bohnen,

die Musik: ich will, dass

der Bergmann, das Kind,

der Anwalt, der Seemann,

der Puppenfabrikant mit mir gehen,

dass wir ins Kino gehen und herauskommen,

den Wein zu trinken, den rotesten Wein.

Ich komme nicht, um etwas zu lösen.

Ich kam hierher, um zu singen

Und auf dass du mit mir singst.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Dietrich Loeff

[1] ) Das behaupteten schon die alten Römer.

[2] ) Beispiele: Somalia, Irak, Kaukasus, Libyen, Syrien, Südsudan, Darfur, Ostkongo, Mali, Myanmar, Philippinen, (FARC-Rebellen) und viele andere.

[3])E-Werke, Wasserwerke, Chemiebetriebe usw. und das Internet, Cyberkrieg

[4]) „Grenzen, die von den Waren nicht überschritten werden, werden von den Heeren überschritten.“ (Brecht)

[5] ) Eine Losung: 50 Millionen Energiesparlampen für die USA.

[6] ) Whistleblower

[7] ) möglichst deren Verstaatlichung

[8] ) Beispiel: der IS verdient sein Geld mit dem Verkauf geraubter antiker Kunstschätze und Erdöl auf dem Schwarzmarkt

[9] ) Dann gibt es erst auf dem Kirchhof der Menschheit Frieden, schrieb schon Immanuel Kant 1795.

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